Landwirte berichten von ihren Erfahrungen mit den Greening-Auflagen

Freitag, Juli 13, 2018

In den zwei deutschen Fallstudienregionen werden zurzeit Interviews mit Landwirtinnen und Landwirten sowie Interessensvertretern aus Landwirtschaft und Naturschutz durchgeführt. Das Forschungsteam erlebt eine hohe Bereitschaft an der Befragung zu Greening und dessen Auswirkungen auf Grüne und Blaue Infrastruktur teilzunehmen.

Abgesehen von Kleinerzeugern, Dauerkultur- und Bio-Betrieben, sind landwirtschaftliche Betriebe seit 2015 verpflichtet, Greening-Anforderungen zu erfüllen, um die vollständige Höhe ihrer EU-Direktzahlungen zu erhalten. Die Bauern und Bäuerinnen müssen ihren Anbau auf Ackerflächen diversifizieren, Dauergrünland erhalten und mindestens 5% ihrer Ackerfläche als ökologische Vorrangfläche ausweisen. Unterschiedliche Möglichkeiten stehen hierfür zur Auswahl, wie zum Beispiel die Ausweisung von Feld- und Pufferstreifen sowie von Landschaftselementen oder der Anbau von Zwischenfrüchten, Untersaaten und Leguminosen.  Alle haben zum Ziel, Artenvielfalt zu erhalten und wichtige Ökosystemleistungen wie Bestäubung, Erosionsschutz oder CO2-Speicherung zu gewährleisten.  

Doch wie entscheiden sich Landwirte für die jeweiligen Maßnahmen?

Das Institut für Agrarökologie und Biodiversität (ifab) und adelphi führen seit Juni Interviews in den Landkreisen Tuttlingen, Zollernalbkreis, Main-Tauber- und Neckar-Odenwald-Kreis durch. Zu den Interviewpartnern gehören Landwirtinnen und Landwirte konventioneller sowie biologischer Betriebe mit Ackerflächen ab fünf Hektar. In einem ca. 30-minütigem Gespräch wird ermittelt, wie Landwirtinnen und Landwirte sich für oder gegen mögliche Greening-Maßnahmen entschieden haben, welche Art von Beratung in Anspruch genommen wird und wer an Entscheidungsprozessen zur Ausgestaltung des Greenings auf regionaler Ebene beteiligt war. Auch Vertreterinnen und Vertreter aus den Unteren Landwirtschafts- und Naturschutzbehörden, Maschinenringen, Bauernverbänden, aus der Wissenschaft und Landschaftserhaltungsverbänden sowie verschiedenen Naturschutzorganisationen werden zu ihrer Einschätzung der Auswirkungen des Greenings auf die landwirtschaftliche Praxis und auf Grüne und Blaue Infrastruktur befragt.

Die Bereitschaft an den Interviews teilzunehmen ist trotz bester Wetterbedingungen für die Mahd und Ernte groß und die Gespräche sind äußerst interessant.

Inwieweit Greening-Maßnahmen die Art der Bewirtschaftung in den Landkreisen verändert hat, hängt von zahlreichen Faktoren ab: Wird die Landwirtschaft im Haupterwerb oder Nebenerwerb geführt, wie ist die Bodenbonität und die Standortqualität?

Auch wenn der Begriff „Grüne und Blaue Infrastruktur“ wohl eher in Strategiepapieren auf europäischer, Bundes- und Landesebene verwendet wird, kennen auf lokaler Ebene die interviewten Personen die Bedeutung des Biotopverbundes und der Erhaltung von Landschaftselementen.

Die wichtigsten Informationsquellen für die Umsetzung der Umweltanforderungen sind die zuständigen Landwirtschaftsämter, aber auch Fachzeitschriften spielen eine bedeutende Rolle.

Die Interviews werden bis Mitte August weitergeführt und anonym ausgewertet. Ende September werden die Ergebnisse im Rahmen eines Runden Tisches mit Interessensvertretern auf lokaler Ebene diskutiert. Die Resultate fließen anschließend in Handreichungen für  landwirtschaftliche Betriebe, lokale Landwirtschaftsbehörden und Landwirtschafts-Beratungsdienste sowie in Politikempfehlungen auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene ein.

 

Ökologische Vorrangfläche auf Ackerflächen des Neckar-Odenwald-Kreises

© adelphi